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„Ich möchte nicht in die Mindestsicherung“

8. März – Zeit für einen wirksamen Mindestlohn!

29. März 2017: 

Rund die Hälfte aller Frauen arbeitet bereits in Teilzeit. Viele von diesen Stellen sind zusätzlich in Niedriglohnbranchen angesiedelt. Für die betroffenen Frauen besteht keine Chance mit ihrem Einkommen über die Runden zu kommen.

Wenn ich es nicht wüsste, es würde nichts darauf hindeuten, weder Kleidung noch Auftreten. Mir gegenüber sitzt eine Frau, nennen wir sie Martina S., die zu einem Dumpinglohn als Floristin arbeiten muss. Speziell für Alleinerzieherinnen sind Jobs, die mit den Kindern vereinbar sind, rar. Noch schwieriger wird es in einer strukturschwachen Region aus der Martina stammt.

Und so verwundert es nicht, dass es Unternehmen gelingt Löhne wie diesen durchzusetzen. 6,71 Euro brutto pro Stunde sind Anfang 2017 laut Kollektivvertrag vorgesehen. Eine dem Beruf der Floristin verwandte Ausbildung wird Martina laut Kollektivvertrag nicht anerkannt.

Rechtlich mag ihre Einstufung als Hilfsarbeiterin korrekt sein, selbst bei Vollzeit kann man von 6,71 Euro Stundenlohn jedoch nicht über die Runden kommen. In Martinas Fall beträgt das Grundgehalt ihrer Teilzeitanstellung etwas mehr als 520 Euro. Um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen benötigt sie einen PKW. Öffentliche Verkehrsmittel sind an ihrem Wohnort nicht vorhanden.

Ein eigenständiges Leben wird damit unmöglich. Die Alimente, die der Ex-Mann für die Kinder bezahlt und die Familienbeihilfe machen ein Überleben momentan gerade so möglich. Doch was passiert, wenn etwas passiert?

Dann geht es sich nicht mehr aus. Würde ihr Ex-Mann seine Arbeit verlieren, so kommt Martina mit ihren Kindern sicher nicht mehr über die Runden. Gleiches droht ihr, wenn sie selbst die Arbeit verliert und das Arbeitslosengeld von ihrem derzeitigen Gehalt berechnet werden würde. In etwa 300 Euro würde ihr monatlicher Arbeitslosengeldanspruch betragen.

Als wir darauf zu sprechen kommen, meint Martina „Ich möchte nicht in die Mindestsicherung, nicht abhängig vom Staat werden und mir diese Behördengänge sparen.“ Und noch ein Problem tut sich auf: „Was ist, wenn die Kinder groß sind und die Alimente wegfallen, mit diesem Lohn komme ich nicht über die Runden.“
Ihre Antwort auf meine Frage nach einer gerechten Bezahlung fällt sehr bescheiden aus. 8,50 Euro würde sie als Mindestlohn bereits als gerecht empfinden. Erst als ich nachfrage stimmt sie mir zu, dass 10 Euro Mindestlohn pro Stunde eigentlich gerecht wären.

Georg Erkinger, Sekretär des GLB Steiermark

 

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