4. Steirische Jugendstudie

Pragmatisches Hightech Biedermeier oder doch Kapitalismus?

Verkehrte Welt?

Im Arbeitskreis Jugend der Arbeiterkammer wurde die 4. steirische Jugendstudie vorgestellt. Eine kritische Auseinandersetzung mit der sich, vor allem für Jugendliche, verschärfenden Systemkrise fand nicht statt.

Wenig verwunderlich sind die Ergebnisse der 4. steirischen Jugendstudie, wurde diese doch als Gemeinschaftsprojekt mit der Wirtschaftskammer, die auch ihre „fachliche Perspektive“, also die Interessen des Kapitals einbringen durfte, erstellt.

Die Studie, die unter anderem zu dem Schluss kommt, dass ungebrochener Optimismus betreffend der eigenen beruflichen und persönlichen Zukunft bei den Jugendlichen herrscht, scheint Massenarbeitslosigkeit, prekäre und unsichere Beschäftigungsverhältnisse und all die daraus resultierenden Konsequenzen vollkommen auszublenden.

Stattdessen versuchen die Autoren aus dem Umstand, dass sich die Mehrheit der Jugendlichen als Europäer fühlt, abzuleiten, dass es sich bei Europa (gemeint kann hier nur die EU sein) um ein Erfolgsmodell handelt. Ausgerechnet jene Union, die dafür gesorgt hat, dass in südeuropäischen Staaten mittlerweile mehr als die Hälfte der Jugendlichen arbeitslos ist, wird in dieser Studie noch als Erfolgsmodell gepriesen.

Wie wenig die Studie auch mit der Lebensrealität österreichischer Jugendlicher zu tun hat, zeigt auch, dass die Rekordarbeitslosigkeit in der Steiermark und die damit für jungen Menschen verbundenen Probleme ausgeblendet werden. Schon bei der letzten Nationalratswahl wurde die FPÖ österreichweit stärkste Partei bei den unter 29-jährigen, in der Steiermark wurde sie sogar insgesamt stärkste Kraft.

Sollte die Sozialdemokratie weiterhin den Kopf in den Sand stecken und meinen, dass alle Probleme, vor denen sie die Augen verschließt, verschwunden sind, so darf sie sich nicht wundern, wenn rechte Demagogen starken Zulauf verspüren und Gewalt, Rassismus und antidemokratische Strömungen zunehmen. Mit Aufklärungsarbeit alleine ist dem Problem jedenfalls nicht beizukommen, wenn sich die sozialen Ursachen immer weiter verschärfen.