Magna will die Löhne senken

Betriebsrätin Hilde Tragler: Kein Grund zum Lohnverzicht

Keine zwei Wochen nach Abschluss der Kollektivverhandlungen mit der Fahrzeugindustrie fordert der Chef von Magna Europa, Günther Apfalter, in einem Interview mit der Tageszeitung Kurier „individuelle Möglichkeiten“ für Magna, um die Löhne an die “globale Automobilindustrie“ anzupassen. „Unser KV-Abschluss ist erst fünf Tage alt, und schon versucht Herr Apfalter ihn bei Magna rückgängig zu machen“, stellt Hilde Tragler, GLB-Betriebsrätin bei Magna in Graz, fest.

„Welche Löhne meint Herr Apfalter? Die in Westeuropa oder die in China und Indien? Bezüglich Lebenshaltungskosten hat Herr Apfalter natürlich keine Vergleiche angestellt – das habe ich auch nicht erwartet.
Herr Apfalter sagt, der Kollektivvertrag bedrohe den Autocluster in Österreich. Ich empfinde das als Erpressung aller Beschäftigten bei Magna und auch in der gesamten Automobilindustrie.“
Gerade hatten die sechs Fachverbände durchgesetzt, dass die heurigen KV-Verhandlungen für alle Fachverbände einzeln ausverhandelt wurden. „Kein Wunder, das kaum jemand bei uns im Werk durchgeblickt hat, wie die Verhandlungen überhaupt laufen Dem entsprechend unzureichend ist das bekannte Ergebnis gewesen.
Die jüngste Stellungnahme von Magna Europachef Apfalter schafft aber eine gewisse Klarheit. Jetzt wissen wir, wer da tonangebend mitgearbeitet hat, an der Aufspaltung. Aber wie immer haben sie nicht genug. Auf Umwegen versucht Herr Apfalter den ohnehin zu geringen Lohnabschluss zu umgehen.
Aber keiner solle glauben, dass mit niedrigeren Löhnen Arbeitsplätze gesichert oder gar Aufträge geholt werden. „Nicht alles sollen wir glauben, wenn uns Millionenverdiener die Welt erklären wollen. Herr Apfalter sagt selbst, dass es in Europa ein Minus bei den Aufträgen zwischen fünf und acht Prozent gäbe und dass das „keine große Tragik“ sei. Es sei eigentlich normal und Graz habe „eine gesunde Auslastung“. Magna kalkuliere intern ständig, und halte die Ressourcen knapp. Und wenn es Rückgänge in einer Region gäbe, könne Magna sich darauf einstellen. Was er unter Einstellen meint, hat er zwar nicht erklärt, aber im Klartext heißt das ja wohl Personalanpassung“, erklärt Tragler. „Und dabei spielen unsere Löhne gar keine Rolle. Nebenbei möchte ich bemerken, dass die Personalkostentangente trotz der jährlichen KV-Erhöhungen in all den Jahren zurückgegangen ist.“
Natürlich orientiere sich Magna auf den asiatischen Markt, um dort zu investieren. „Dieses Vorhaben sollen wir jetzt mit unseren Löhnen finanzieren“, schlussfolgert Tragler. „Es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass er mit unserer Angst um unsere Arbeitsplätze spielt, ja sogar damit kalkuliert.“
Aus dem EU-Forschungsbudget – also aus unseren Steuergeldern wird Europas Autoindustrie 80 Mrd. Euro erhalten. „Und jetzt sollen wir doppelt zahlen, erst mit unseren Steuergeldern an die EU und dann noch mit geringeren Löhnen und „flexibleren“ Arbeitszeiten. Das lehnen wir entschieden ab. Der gemeinsame KV ist das erklärte Minimum.“