Stramms letzte Liebe

Lesung mit dem Werkkreis Literaten Werner Lang

Werner Lang wurde in Hönigsberg bei Mürzzuschlag geboren, war 35 Jahre als Arbeiter tätig. Er versucht in der Erzählung die Lebensbedingungen von Arbeitern so umfangreich und realistisch wie möglich durch die Sprache widerzuspiegeln.

Zum Anlass „40 Jahre Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ gab der „Werkkreis“ ein Buch mit dem Titel „Arbeit ist nur das halbe Leben“ heraus.“ Über diesen Titel und den ganzen anderen, gewaltigen Rest des Lebens schreiben die Autoren des „Werkkreises der Literatur der Arbeitswelt e. V.“. Lebensnah und eindrücklich – wie die Texte in diesem Buch aus vier Jahrzehnten belegen.
Der Werkkreis existiert seit 1970 und wurde von Autoren wie Max von der Grün, Günter Wallraff und August Kühn ins Leben gerufen. Damals wie heute gilt für die Autoren des Werkkreises: Literatur ist nicht nur etwas für Literaten. Das Werkkreis-Motto: „ Ganz gleich, ob du am Fließband stehst oder am Bürotisch sitzt, ob du im öffentlichen Dienst oder in der Privatwirtschaft arbeitest, ob du den Haushalt führst, Kinder erziehst oder zwangsweise ar-beitslos bist – Kollege(in) schreib das auf“, ist unveränderlich aktuell. Aus diesem Buch -und wenn erwünscht, aus vieles mehr - wird Werner Lang seine Erzählung: „Stramms Letzte Liebe“ Lesen.

Ein Textausschnitt aus der Erzählung „Stramms letzte Liebe“ von Werner Lang:“… Am ersten Tag sah er noch alles wie von außen. Das Werk war in seinen Augen eine riesige Maschine. Menschen und Dinge waren aufeinander genauestens abgestimmt. Nach der Berufsschulzeit war Stramm er-folgreich automatisiert. Er sah sich nur mehr als ein Teil der Fabrik. Merksätze wie: „Zahnräder, die ineinandergreifen sollen, müssen den gleichen Modul und den gleichen Eingriffswinkel haben“, die müssen ins Blut übergehen, hat man ihn gelehrt. Jetzt, zwanzig Jahre später weiß er nicht mehr wo er ist. Er kommt sich irgendwie rausgeworfen vor. Vielleicht von sich selber? ... (S. 140)