Zwölf Stunden und 400 000 Erwerbslose

Gesetzliche Bresche in die Barrikade des 10-Stunden-Tages

36 000 Menschen mehr als vor einem Jahr suchen Erwerbsarbeit. Den Generalse-kretär der Industriellenvereinigung Christoph Neumayer sowie den Präsidenten der Wirtschaftskammer Christoph Leitl kümmert das wenig. Sie drängen die Regierung den Arbeitstag auf 12 Stunden zu verlängern. Willig folgt der neoliberale Kanzler Feymann mit seinen Mannen Hundstorfer und Mitterlehner.

Erst vor einem Jahr kam der letzte Vorstoß von Neumayer: „Insbesondere die ge-setzliche Tageshöchstarbeitszeit von zehn Stunden ist nicht praktikabel". Bei Leitl wird nicht nur geredet, sondern gehandelt: Die "Bauhütte Leitl-Werke" im Besitz seiner Familie musste wegen eines Verstoßes gegen den Kollektivvertrag eine Nachzahlung leisten. Die Beschäftigten arbeiteten in Schichten von elf Stunden. Laut Kollektivvertrag sind täglich nur neun Stunden erlaubt.

12 Stunden pro Tag, 10 Stunden für Lehrlinge hält Leitl für den „richtigen Schritt“. Behübscht wird die neueste Arbeitszeitkonterrevolution mit Begriffen wie Gleitzeit, Flexibilisierung und Reisezeit. Unter Reisen stellen wir uns gewöhnlich Urlaub, Erholung oder Besuch bei Freunden vor. Um was aber geht es hier. Der Monteur hat 10 Stunden gehackelt und muss zusätzlich z.B. eine Stunde zum Arbeitsort und eine Stunde zurückfahren - erschöpft. Wer spricht da von reisen, wenn täglich im Berufsverkehr gestaut wird. Dass es im ersten Schritt nicht alle treffen soll, macht die Sache nicht besser. Hier soll eine gesetzliche Bresche in die Barrikade des 10-Stunden-Tages geschossen werden.

Bei 402 000 offiziell registrierten Erwerblosen ist die Verkürzung des Arbeitstages das Gebot der Stunde - bei vollem Lohn- und Personalausgleich – andernfalls schreiten Burnout und andere Psychische Erkrankungen weiter voran.
Anne Rieger